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Value Strategie? Value Aktien? Was ist Value überhaupt? Was bringt das?



Value bedeutet werthaltig. Anleger achten bei dieser Strategie also auf den Wert eines Unternehmens. Anders etwa als bei vielen Wachstumsunternehmen zählen hier nicht Dinge, die vielleicht in Zukunft einmal eintreten können, sondern greifbare Fakten. Als Urvater des Value-Investing gilt Benjamin Graham, der 1934 in dem Buch Security Analysis seine Erkenntnisse zu dieser Art des Anlegens – vielmehr Investierens, da mittel- bis langfristig – veröffentlicht hat. Viel bekannter allerdings ist ein Schüler Graham´s nämlich Warren Buffett. Mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway betreibt der US-Milliardär diesen Anlagestil bereits seit rund 50 Jahren.

Mit grossem Erfolg. Zwischen 1965 und 2009 steigerte der Börsianer den Buchwert seiner Firma nämlich im Durchschnitt um 20,3 Prozent im Jahr. Der breite US-Markt mit dem S&P 500 brachte es dagegen inklusive Dividenden nur auf ein jährliches Plus von 9,3 Prozent. Und das bei deutlich geringerem Risiko. Denn während Buffett nur in zwei Jahren einen Rückgang des Buchwerts seiner Gesellschaft hinnehmen musste, verzeichnet der S&P gleich zehn Rückschläge.


Überzeugende Resultate brachte auch das vom Chefredakteur der Value-Depesche Georg Pröbstl zwischen 2002 und 2006 einmal jährlich für die Zeitschrift Euro am Sonntag aufgestellte Value-Depot. Die jeweils zehn Value-Titel pro Jahr brachten in dem Zeitraum ein Plus von 268 Prozent (siehe PDFs). Der DAX lieferte lediglich 15 Prozent Gewinn:

10 Value-Werte Jahr für Jahr
Performance
Value-Depot**
DAX
2002 31,0% -33,2%
2003 41,6% 10,8%
2004 26,9% 15,3%
2005 56,6% 35,6%
Gesamt* 268,6% 15,7%
*) Gewinne wieder angelegt, inklusive Dividenden
**) Value-Depots von Georg Pröbstl für Euro am Sonntag:
Einmal im Jahr zehn Value-Titel ausgewählt; Haltefrist ca. ein Jahr;
danach ein neues Depot mit den zehn neuen Value-Favoriten



Das Erfolgsrezept


Value-Investoren nehmen vor dem Kauf einer Aktie das Unternehmen genau unter die Lupe und orientieren sich dabei an zwei Punkten: Zum einen an den fundamentalen Daten zum anderen den weichen Faktoren eines Unternehmens. Anhand dieser Kriterien ermitteln sie einen fairen Wert für eine Aktie. Gekauft wird das Papier allerdings nur dann, wenn dieser faire – der innere – Wert deutlich höher ist, als der aktuelle Aktienkurs, wenn der Titel also unterbewertet ist. Jeder Value-Investor hat hier sein eigenes Erfolgsrezept und seine eigenen Stellschrauben. Geforderte Abschläge des Aktienkurses zum inneren Wert von 20 Prozent oder mehr sind aber die Regel.


Die Vorteile: Die genaue Prüfung eines Unternehmens erspart Value-Investoren in der Regel grössere Enttäuschungen – sprich Verluste. Daher das geringere Risiko – siehe Buffett. Die Outperfromance kommt vor allem vom Discount des Aktienkurses zum fairen Wert. Denn früher oder später erkennen auch andere Anleger den wahren Wert einer Aktie, der Kurs beginnt zu steigen, bis dieser erreicht wird. Das kann manchmal allerdings einige Zeit dauern. Value-Investoren brauchen deshalb Geduld nicht selten zwei oder drei Jahre.


Es gibt allerdings auch Aktien, die günstig sind und immer günstig bleiben. Um nicht in diese Value-Falle mit ewig dümpelnden Kursen zu tappen, sind Kurstreiber nötig, die früher oder später höhere Notierungen bringen: Etwa eine neue Strategie oder Kooperation, neue Produkte oder ein neues Management das frischen Wind in ein Unternehmen bringt.




Value-Signale


Vor den Erfolg haben die Götter beim Value-Investing aber den Schweiss gesetzt: Die Prüfung der harten fundamentalen Realität. Börsianer verwenden dafür unter anderem einige Kennziffern. Die angegebenen Zahlenwerte dienen vor allem als Richtschnur. Wichtig ist dabei auch der Vergleich mit Firmen der selben Branche oder mit dem Vergleichsindex.



Value-Signale - ein paar wichtige Kennziffern
KGV
Kurs/Gewinn-Verhältnis
< 10: Die Gewinne sollten
nachhaltig über einen
längeren Zeitraum erzielt
worden sein
Interessant sind Aktien, bei denen
das KGV deutlich unter dem
Branchendurchschnitt oder unter
dem Wert des Vergleichsindex liegt.
Bei den Werten im DAX liegt das KGV meistens
etwa zwischen 15 und 25
KBV
Kurs/Buchwert-Verhältnis
< 1: Das Vermögen in der Bilanz
sollte werthaltig sein, also nicht
nur aus Forderungen oder
immateriellen Werten bestehen.
Liegt der Aktienkurs unter Buchwert (dem Eigenkapital), deutet
das auf eine Unterbewertung hin. Umgekehrt
bedeutet ein hohes KBV oft ein hohes
Kursrisiko.
KCV
Kurs/Cashflow-Verhältnis
< 4 Vereinfacht gesagt ist der Cashflow der
Überschuss der Betriebseinnahmen über die
Betriebsausgaben. Hohes KCV bedeutet,
dass einem Unternehmen vergleichsweise
wenig Mittel zufliessen. Es stellt sich die Frage:
Erzielt das Unternehmen einen positiven
Cashflow und kann es damit seine Verpflichtungen
wie Zinsen, Dividenden und Investitionen
bezahlen?
Eigenkapitalquote > 30 % Eine hohe Eigenkapitalquote bedeutet
geringe Verschuldung und damit vergleichsweise
niedrigere Zinsbelastung. Firmen mit viel
Eigenkapital können Krisen leichter
überstehen.
Eigenkapitalrendite > 12 % Hohe Eigenkapitalrenditen sind ein
Hinweis auf eine gute Firmenpolitik.
Gewinnwachstum > 10 % p.a.: Das Gewinnwachstum
sollte nachhaltig sein
Wachstum und Value: Börsianer denken oft
Value-Aktien wachsen nicht. Das ist ein Irrtum!
Was zählt sind vor allem attraktive Kennziffern und eine
Unterbewertung. Hohe Wachstumsraten gibt es auch bei
klassischen Value-Werten.
Dividendenrendite
(Dividende je Aktie/Aktienkurs)*100 %
> 5 % p. a.: Die Dividende sollte
nachhaltig aus dem operativen
Gewinn gezahlt werden
Eine hohe nachhaltige Dividendenrendite
schützt im Durchschnitt in aller Regel vor allzu grossen
Kursverlusten. Hohe Dividenden sind ein
Zeichen von Stärke und signalisieren dem Anleger:
Der Firma geht es gut, sie muss nicht
mehr den gesamten Gewinn in die Rücklagen
für schlechte Zeiten oder hohe Investitionen stecken.
Umsatzrendite
(Gewinn/Umsatz)*100 %
Hier ist der Branchenvergleich
besonders wichtig
Ist die Umsatzrendite im Branchenvergleich
hoch, dann kann eine Firma entweder höhere
Preise durchsetzen als die Konkurrenz, zum
Beispiel weil ihre Marken oder Produkte besser sind,
oder aber sie produziert billiger als die Konkurrenz.


Deuten die harten Daten auf Value – eine Unterbewertung – hin, dann kommen die weichen Faktoren auf den Prüfstand. Das sind beispielsweise Produkte die einen wirklichen Nutzen bieten und daher gebraucht werden, starke Marken und eine starke Marktstellung. Wichtig ist auch das Management: Value-Investoren fragen sich: Wie lange ist es schon im Unternehmen/in der Branche tätig? Ist es zuverlässig und hält es die eigenen Prognosen regelmässig ein oder kann es diese sogar noch übertreffen?




Das Gespräch mit dem Top-Management



Hat man nach dieser Vorarbeit Value-Titel aufgespürt und identifiziert, ist in aller Regel noch das Gespräch mit dem Management eines Unternehmens erforderlich. Denn wichtige Fragen lassen sich meist nur im Gespräch mit dem Finanzvorstand oder Vorstandschef klären. Da geht es dann vor allem um Strategien und deren Auswirkungen in der Zukunft sowie um Prognosen. Nur so lässt sich die entscheidende Frage klären: Wie wirken sich ergriffene Massnahmen und eingeleitete Strategien auf den Umsatz und Gewinn in Zukunft aus? Liegt man mit seiner eigenen Einschätzung richtig? Welchen Gewinn je Aktie kann das Unternehmen im nächsten, vielleicht auch im übernächsten Jahr erzielen? Mit dieser Einschätzung lassen sich Kursziele – und damit eine Unterbewertung – einigermassen sinnvoll herleiten.



Value-Musterdepots in der Anlegerzeitschrift Euro am Sonntag



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